|
Das “neue” Rückershausen nach dem großen Brand
Der traurigste Tag in der Geschichte des Dorfes war der 24. August 1857.
An diesem heißen Sommertag entstand ein Feuer in der Schulscheune, als die meisten Einwohner den Bartholomäus-Markt in Katzenelnbogen besuchten.
Innerhalb von drei Stunden brannten 34 Wohnungen, 88 Stallungen und 27 Scheunen nieder. 51 Familien waren obdachlos geworden.
Da das ganze Dorf auf herzoglichen Erlass enteignet wurde, war der Weg frei zur Planung einer vollständig neuen Siedlung. Dank der Unterstützung durch das Herzogtum Nassau, eines Berliner Städtebaumeisters, der Michelbacher Hütte und auch der nachbarlichen Hilfe der umliegenden Dörfer konnten schon nach einem Jahr die ersten Familien in ihre neuen Häuser in einem neu gestalteten Dorf einziehen.
Statt verwinkelter, enger Gassen prägten jetzt breit angelegte, gerade Straßen das Ortsbild. Auch heute noch hat Rückershausen eine der breitesten Dorfstraßen im Nassauer Land. Die Höfe waren großzügig nach dem Prinzip der Hofraiten einheitlich gestaltet. Die Wohnhäuser wurden zur Straßenseite errichtet, Nebengebäude umschließen einen rechtwinkligen Hof und die Scheunen stehen in einer Reihe auf der Rückseite der Höfe.
Noch heute findet man in drei Meter Tiefe die Grundmauern des alten Rückershausen und die Reste des großen Brandes z.B. verschmorte Riegel und in der Hitze des Brandes glasierte Ziegelsteine.
Eine neue Brücke wurde angelegt als Verbindung des alten Ortskerns mit der neuen Straße nach Diez und nach Bad Schwalbach. Heute stellt sie ein wichtiges Bindeglied zu den neuen Wohngebieten.
Eine Lindenallee wurde gepflanzt, die noch heute den Eingang zum “alten” Teil von Rückershausen markiert. Diese Bepflanzung wurde vor 10 Jahren durch eine Reihe von Apfeldornbäumen verlängert, auf der anderen Straßenseite ergänzt durch stilvolle Laternen.
Dieses Zentrum der damals neu angelegten Siedlung steht heute unter Ensemble-Schutz. Immer noch wird diese “alte” Kreuzung liebevoll KREUZGASSE genannt und bildet selbstverständlich den Mittelpunkt des seit 479 Jahren abgehaltenen Rückershäuser Marktes.
Dieses Marktrecht ist für Rückershausen nicht nur ein Privileg des Kaisers Karl V, sondern auch innige Verpflichtung für ein lebendiges Gemeindeleben so wie es die Stiftungsurkunde beschreibt!
Kurz und gut:
Wir lieben diesen Markt! |